Scambodia – Kambodscha’s zweites Gesicht

So etwas habe ich noch nie erlebt… Ich habe viel über Scams in Bangkok (Thailand) gelesen, doch Kambodscha ist noch viel schlimmer. Die Menschen in Kambodscha sind sehr arm und es geht oft um ihr Überleben. Die Armut sieht man vor allem abends, wenn duzende Kinder und Erwachsene in den Müllsäcken nach Essen suchen. Dieses Bild ist für uns erst mal erschreckend und man möchte unbedingt helfen.

Aber Achtung! Nicht umsonst trägt Kambodscha auch den Namen Scambodia.

Besonders dreist ist der „Milk Powder Scam for the baby“ in Siem Reap. Ende September 2014 wurde ich fast Opfer dieses Scams, doch zum Glück fiel mir nach ein paar Minuten auf, dass hier etwas nicht stimmen konnte. Das Ausmass des „Milk Powder Scams“ habe ich aber erst später erfahren. Und ich konnte es kaum glauben…

Der Scam geht so:

Eine junge „Mutter“ mit „ihrem“ Baby auf dem Arm (entweder schreiend oder schlafend) sagt zu euch in gutem Englisch: „I don’t want your money. I just need milk for my little little baby. It’s so hungry.“ oder ein kleiner Junge (wie bei mir) fragt euch dasselbe aber für seine „little sister“. Das Kind sieht verwahrlost aus, trägt nur eine Hose und hat Kratzer am ganzen Körper.

Erst wollte ich ihn abwimmeln, wegen dieser Milch Geschichte, dann fragte ich ihn, ob er Hunger habe. Er sagte: „Yes, I’m hungry“. Ich dachte mir nichts weiter dabei, wie viel würden ein paar Cracker schon kosten? Oder eine kleine Flasche Milch.

Der Junge und ich gingen also zusammen in den nahe gelegenen Supermarkt und er zielt geradewegs zum „Baby Milk Pouder“ Regal. Da wurde mir bewusst, dass dieses Kind nicht hungrig ist, da es sonst zum Essen gelaufen wäre. Ich schaute auf die Preise der Dosen und da Stand 12 Dollar, ich sagte zu dem Jungen, dass das viel zu viel sei für Babynahrung. Er meinte, ich könne ihm auch die kleine Dose für 6 Dollar kaufen. Doch das war immer noch viel zu viel, so viel konnte diese Nahrung in diesem Laden in Kambodscha gar nicht kosten. Das waren ja fast schon Schweizer Preise.

Eine junge Amerikanerin kam im Laden auf mich zu und sagte, es wäre ein Scam. Das war mir zwar schon vorher bewusst, doch sie half mir den Jungen „loszuwerden“. Ich fragte ihn, ob seine Schwester normale Milch trinke, er verneinte. Hungrig war er auf einmal auch nicht mehr und als ich sagte, ich werde ihm dieses Milchpulver nicht kaufen, fing er an zu weinen.

Ich dachte: „Ja, klar, wenn nichts mehr hilft, einfach weinen und vielleicht geben mir die reichen Weissgesichter dann ein bisschen Geld.“ Ich sagte also: „No, I’m sorry. I won’t help you when I’ll buy it for you.“ Und dann rannte der Junge raus. Ich fühlte mich ein wenig schlecht und kaufte ein paar Cracker, um sie dem Jungen zu geben.

– Das war ein Fehler, ich hätte sie besser dem Mann geben sollen, der gerade vor einem Restaurant in den Müllsäcken nach Essen suchte. –

Auf dem Weg zurück zur Hauptstrasse kam uns der Junge wieder entgegen, ich gab ihm die Cracker. Was ich aber  dann erlebte, machte mich für einen kurzen Moment fassungslos.

Er schnappte sich das Päckchen Cracker und zerdrückte es mit seiner Hand. Dabei sah und schrie er mich an. Seine exakten Worte waren: „This is not what I wanted!!!!“ Er warf mit den Crackern um sich und zerstampfte sie auf dem Boden.

Und was tat ich? Ich ging einfach weiter und schwörte mir nie mehr einem Kind auf der Strasse helfen zu wollen. Mindestens nicht hier in Siem Reap. Ich nehme es dem Jungen nicht übel. Er kann nichts dafür. Wahrscheinlich wird er geschlagen, wenn er nicht genug Geld abgibt. Oder ihm wird gedroht. Er war sicher auch total übermüdet. Doch was mir Sorgen bereitet ist wie es mit ihm weitergeht.

Was ich danach erfahren habe:

Das war nur mein Teil der Geschichte, was ich aber danach im Internet über diesen Scam las, war einfach nur schockierend. Kurz zusammengefasst:

Die jungen „Mütter“ mieten sich für den Tag ein Baby oder ein älteres Kind. Das Baby steht unter Drogen, damit es schläft oder die ganze Zeit schreit. In verschiedenen Strassen in Touristengegenden verteilen sich die jungen Frauen mit „ihren“ Babys. Alle in der Nähe eines kleineren Supermarktes.

Sie halten eine fast leere Babyflasche mit Milch in ihrer Hand. Dann fragen sie westlich-aussehende Menschen, ob sie ihnen Milchpulver für ihr Baby kaufen können, denn das Baby sei hungrig. Wenn die Leute mitmachen, gehen sie in den einen Laden und zeigen die Dosen, die sie für ihr Baby brauchen.

Die Dosen haben aber einen viel zu hohen Preis, denn der Supermarkt steckt mit der Bande unter einer Decke. Wenn jemand die Dose für das arme Baby kauft, dann bedanken sich die Mutter oder das Kind und verschwinden. Kurz danach gehen sie zu der Hintertür des Shops bei dem sie eben das Milchpulver erhalten hatten und verkaufen es wieder zurück. Krass nicht?

Hier der Link zu der Website, wo ich es erfahren habe.

Was kann man tun?

In Siem Reap gibt es duzende NGO’s, die so gut es geht helfen. Am meisten hilft man, wenn man sein Geld oder seine Zeit in eine Institution einbringt. Und ja nicht den Kindern Geld geben!!! Auch wenn es schwierig ist – glaubt mir, ihr hilft den Kindern damit nicht!

Am besten kauft ihr ihnen auch nichts anderes (Essen etc.), denn diese Kinder wollen nicht euer Essen, sie wollen euer Geld. Sagt einfach „No, thank you!“ und geht weiter, aber ignoriert sie nicht, denn so werden sie euch nachrennen, bis ihr sie beachtet.

Es ist wichtig, dass möglichst viele Leute von diesem und anderen Scams erfahren. Nur so können wir den Menschen in Kambodscha und besonders in Siem Reap helfen. Habt ihr auch schon sowas erlebt?

Ich freu mich über eure Kommentare.


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s